TRANSFORM 2026 – Warum Open Source digitale Souveränität konkret macht

Am 5. Mai 2026 traf sich in Bern alles, was in der Schweiz rund um digitale Verwaltung, Infrastruktur und Souveränität Rang und Namen hat. Die TRANSFORM 2026 brachte Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft im Rathaus Bern zusammen – unter dem Leitthema «Digital Public Infrastructure».
Was dabei deutlich wurde: Digitale Souveränität ist keine abstrakte Idee mehr. Sie wird konkret.
Von Vision zu Umsetzung
Viele Diskussionen der letzten Jahre drehten sich um Strategien, Leitbilder und Zielbilder. In Bern ging es spürbar stärker um die Umsetzung. Themen wie e-ID, elektronisches Gesundheitsdossier oder Mobilitätsdateninfrastrukturen zeigen, dass zentrale Bausteine digitaler öffentlicher Infrastruktur langsam, aber sichtbar Form annehmen.
Gleichzeitig bleibt die Herausforderung bestehen: Wie lassen sich föderale Strukturen, unterschiedliche Interessen und bestehende Systeme so zusammenbringen, dass daraus funktionierende, skalierbare Plattformen entstehen?
Digitale öffentliche Infrastruktur als Fundament
Ein zentrales Thema war die Rolle von Digital Public Infrastructure (DPI). Gemeint sind damit grundlegende digitale Bausteine, auf denen Services aufbauen können – vergleichbar mit Strassen oder Stromnetzen in der physischen Welt.
Dazu gehören Identitätslösungen, Dateninfrastrukturen und Vertrauensmechanismen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Technologie, sondern auch Governance, Offenheit und langfristige Kontrolle.
Open Source als Souveränitätsanker
Ein besonders prägnanter Impuls kam aus dem Talk von Dirk Schrödter – und der hatte es in sich.
Seine zentrale These: Digitale Souveränität ist heute primär ein technologisches Thema. Sie entscheidet darüber, ob Staaten im digitalen Raum selbstbestimmt handeln können – und ist damit Grundlage staatlicher Handlungsfähigkeit.
Dabei wurde auch klar: „Buy European“ greift zu kurz. Wenn lediglich eine proprietäre Abhängigkeit durch eine andere ersetzt wird, ändert sich am eigentlichen Problem nichts.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Offenheit: Open Source reduziert technologische Abhängigkeiten – und damit auch wirtschaftliche. Gleichzeitig schafft es die Grundlage für Transparenz, Kontrolle und langfristige Unabhängigkeit.
Darüber hinaus wurde Open Source nicht nur als Technologie, sondern als Wachstumstreiber beschrieben: Wissen wird teilbar, Innovation beschleunigt und Zusammenarbeit über Organisationsgrenzen hinweg ermöglicht.
Mindestens genauso wichtig ist aber der kulturelle Aspekt: Open Source bedeutet einen echten Kulturwandel. Weg von geschlossenen Systemen und Silos – hin zu Offenheit, Teilen, Transparenz und Zusammenarbeit. Organisationen, die diesen Wandel ernst nehmen, bauen nicht nur bessere Technologie, sondern auch nachhaltigere und resilientere Strukturen.
Auch die Wirkung ist messbar: Eine Studie der Europäischen Kommission aus 2021 zeigt, dass ein Anstieg der Open-Source-Ausgaben um 10% das EU-BIP um 0,4-0,6% steigern kann und gleichzeitig über 600 zusätzliche Technologie-Startups entstehen.
Dass diese Effekte nicht nur theoretisch sind, zeigt die Praxis: Schleswig-Holstein konnte allein 2025 rund 15 Millionen Euro an Lizenzkosten einsparen – Mittel, die gezielt in Open Source, regionale Expertise, Resilienz und Innovation reinvestiert werden.
Spannend war auch der politische Blick darauf: Erfolgreiche Umsetzung braucht mehr als Technologie – etwa Open Source Program Offices, starke Netzwerke für den Austausch und gezielte Förderung offener Zusammenarbeit.
Ökosysteme statt Einzellösungen
Was sich ebenfalls durch viele Beiträge zog: Die Erkenntnis, dass komplexe digitale Herausforderungen nicht isoliert gelöst werden können.
Es geht nicht mehr nur um einzelne Plattformen oder Tools, sondern um funktionierende Ökosysteme. Um Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Privatwirtschaft und Community. Und um Modelle, die Innovation ermöglichen, ohne die Kontrolle aus der Hand zu geben.
Ein spannender Gedanke dabei: Digitale Souveränität entsteht nicht nur durch Technologieentscheidungen, sondern durch funktionierende Marktplätze und Kollaborationsmodelle. Genau hier setzen Plattformen wie Servala an – als souveräner App Store, der Anbieter, Technologien und Organisationen in einem offenen Ökosystem zusammenbringt und so echte Wahlfreiheit ermöglicht.
Was das für uns bei VSHN bedeutet
Für uns bei VSHN bestätigt die TRANSFORM 2026 vieles von dem, woran wir seit Jahren arbeiten.
Wir bauen auf Open Source, offenen Standards und cloud-nativen Plattformen auf. Mit Lösungen wie APPUiO – Expert Hosting, Servala – Sovereign App Store und Codey – European Code Collaboration geht es genau darum, digitale Souveränität praktisch umsetzbar zu machen und gleichzeitig Ökosysteme zu ermöglichen.
Übrigens hat VSHN bereits einige Open Source Projekte hervorgebracht: k8up (Kubernetes Backup Operator für automatisierte Backup- und Restore-Prozesse, heute ein CNCF Sandbox Project), Project Syn (Tooling zur sicheren und skalierbaren Verwaltung von Kubernetes Cluster-Flotten, basierend auf GitOps, mit zentraler Konfiguration und Cluster-Inventar) und ganz neu: Espejote (Templating Controller für das Ressourcen-Management in Kubernetes-Clustern).
Denn am Ende wird digitale Souveränität nicht durch Isolation erreicht, sondern durch starke, offene und gut vernetzte Systeme.
Fazit
Die TRANSFORM 2026 hat gezeigt: Die Schweiz ist auf dem Weg. Vielleicht nicht mit der Geschwindigkeit, die sich alle wünschen – aber mit einer klaren Richtung.
Digitale Souveränität wird greifbar – und Open Source spielt dabei eine zentrale Rolle.
Jetzt geht es darum, diese Erkenntnisse konsequent in die Praxis zu bringen.